Steirische Wörter – unsere Lieblinge Teil 3

Aufgrund der hohen Nachfrage und der positiven Rückmeldung haben wir uns wiedermal zusammengesetzt und steirische Wörter für euch gesammelt.

Bei uns in der Gegend gibt es viele Bräuche, die im Laufe der Zeit aufhören oder nur selten durchgeführt werden. Aufgrund der aktuellen Situation gibt es ja keine Veranstaltungen, nichts desto trotz möchte ich hier eine erklären. Danach kommen die versprochenen steirischen Wörter.

In der jetzt kalten Zeit war es auch üblich, dass man so Ende Dezember Anfang Jänner Schweine geschlachtet hat, da es der Jahreszeit entsprechend niedrige Temperaturen sind. Und da kommen schon die ersten Bräuche – das Sauschädl stehlen und der Sauschädlball.

Der Sauschädlball

Früher hat fast jeder Landwirt selbst sein Schwein geschlachtet – ogstouchn – und Nachbarn oder Freunde haben den Sauschädl – Schweinekopf – gestohlen. Dies war natürlich eine ungute Situation. Denn dies hieß, das man nicht gut genug aufgepasst hat und als Strafe dafür einen Sauschädlball ausrichten muss.

Um den Schweinekopf wieder retour zu bekommen, wurde ein Fest veranstaltet, bei dem es eine Verhandlung mit Richter, Staatsanwalt, Polizisten, Verteidiger usw. gab um herauszufinden, wer der Dieb war. Der Dieb und auch der bestohlene Landwirt bekamen Strafen sowie auch alle Beteiligten, somit finanzierte sich dieses Fest von selbst. Es gibt auch Musik , die mit der steirischen Ziehharmonika gespielt wird und so wird gemütlich zusammen gefeiert.

Bei uns in der Vulcano Schinkenerlebniswelt hatten wir schon zwei solcher Verhandlungen und es war wirklich immer ein sehr lustiges Ereignis. Es wurde viel gelacht. Anschließend gibt es traditionell im Anschluss für alle ein Essen mit Sauerkraut, Knödel, Schweinsbraten, Breinwurst (das ist eine Wurst, die gefüllt ist mit Wurstfleisch, Brein (=Hirse), Rollgerste und Reis), Blutwurst und Bluttommerl. Dies ist ein Gericht bei dem Blut mit Mehl, Eier und Salz vermischt wird und abschließend in der Pfanne knusprig gebraten.

Nun aber zum Teil auf den alle gewartet haben – Steirische Wörter beziehungsweise Ausdrucksweisen.

Steirische Wörter

Steirisch: Vorm Ostechn mias ma die sau aussa treibn. Hoffentlich bring ma des zomman.
Deutsch: Vorm Schlachten treiben wir das Schwein aus dem Stall. Hoffentlich funktioniert es gut.

Steirisch: Da Sauschädl is gstolln wordn. A so ane bagasch.
Deutsch: Der Schweinekopf wurde gestohlen. So ein Gesindel. (Bagasch ist eine Bezeichnung für jemanden, den man nicht besonders gerne mag.)

SteirischMit’n Sauschädlfleisch moch ma Presswurscht.
Deutsch: Mit dem Fleisch vom Schweinekopf machen wir Presswurst (eine Wurst, die einem Sulz ähnelt).

Steirisch: I gfrei mi auf d’Fria, wal  in da Fria gib’s saure Supp’n und Toammerl.
Deutsch: Ich freue mich auf morgen Früh, denn dann gibt es saure Suppe mit Tommerl (ein spezielles weißes Brot).

Lebensbereiche

Hier einige Redewendungen, die in verschiedenen Lebensbereichen verwendet werden – mal mehr mal weniger.  Einige davon sind nicht ganz höflich, zeigen aber auch oft den momentanen Zustand des Menschen:

Steirisch: Waunst ned glei gstüll bist, dann wiast wos erlebn.
Deutsch: Wenn du nicht gleich zu reden aufhörst, dann passiert etwas.

Steirisch: Loß mi net aunglahnt. Du bist a echta Loamsieda.
Deutsch: Laß mich nicht im Stich. Du bist ein langsamer Mensch.

Steirisch: Ofta gehma zu dia! Do haun ma uns di Wompn mit Most vull.
Deutsch: Später gehen wir zu dir! Da trinken wir dann Most.

Steirisch: Schau ned so deppat! Dei Gfries schaut aunders fül schaina aus.
Deutsch: Schau nicht so blöd! Dein Gesicht schaut anders viel schöner aus.

Steirisch: Wos, a Fautzn wüllst hobn? – Kimm schleich di und moch di tia hinta dia schnöll zua.
Deutsch: Was, du willst eine Ohrfeige? – Komm geh und mach die Tür hinter dir schnell zu.

Steirisch: Des is ma wurscht. I hear ma des sicha net mehr aun. Do folln ma jo die Ohrn o.
Deutsch: Das ist mir egal. Ich höre mir das sicher nicht mehr an. Da fallen mir ja die Ohren ab.

Steirisch: Hülfst ma heit no die Grumpirn ausgrobn? Am Ocka draussn san no gaunz vüle.
Deutsch: Hilfst du mir die Kartoffeln ausgraben? Am Acker sind noch ganz viele.

Steirisch: Heast. Hiaz gib oba amol a rua.
Deutsch: Hör einmal! Jetzt gib bitte eine Ruhe! (Oder: Hör auf.)

Steirisch: Heast Olda, wia vül muas i heit denn no mochn? Des kaunst schei söwa tua.
Deutsch: Alter (hier nicht besonders höflich gemeint) was soll ich denn heute noch alles machen? Das kannst du schön selber machen.

Bei verschiedenen Treffen:

Steirisch: Gemma an Kaffee trinkn. Do kemma daun an guatn Strudl essn.
Deutsch: Gehen wir einen Kaffee trinken. Da können wir dann einen guten Strudel essen.

Steirisch: Wos gibs bei dia vü neigs? Mia hobn gestern die Saun nocha gsperrt.
Deutsch: Was gibt es bei dir Neues? Wir haben gestern im Stall gearbeitet und die Schweine umgestallt.

Steirische Wörter über Tiere:

Steirisch: Mei Kotz hot vorige Wochn ausgschitt. Jetza lafn a haufn klane Katzerl umadumm.
Deutsch: Meine Katze hat letzte Woche Junge bekommen. Jetzt laufen bei uns viele kleine Kätzchen herum.

Steirisch: Dei Katzerln san so liab. Dei kennast di gonze Zeit oknudln.
Deutsch: Die kleinen Katzen sind so lieb. Die könnte man die ganze Zeit knuddeln.

Steirisch: Mei Rous tuat heit net so wia i wül. Do verbrot i mei  Zeit liaba mit wos aunders.
Deutsch: Mein Pferd tut heute was es will. Da verbringe ich meine Zeit lieber mit etwas Anderem.

Als Fazit zur heutigen Arbeit:

Steirisch: Bis du deppat, do is heit owa echt gaunz vül gongan.
Deutsch: Wahnsinn, da habe ich heute wirklich ganz viel geschafft.

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Mit diesen vielen verschiedenen Themen, womit wir heute konfrontiert werden, macht es zwischendurch richtig Spaß sich der eigenen Sprache wieder mal so richtig intensiv zu widmen. Das bringt eine lustige Stimmung und lenkt von den täglichen Thematiken ab.

Außerdem ist mir bewusst geworden, wie viele Wörter wir verwenden, die so ganz anderen Hintergrund haben, so wie Loamsieder. Das kommt vom Aussieden der Tierknochen und war eine sehr, sehr langwierige Arbeit. Dadurch hat sich der Begriff Loamsieder entwickelt , für Menschen die sehr langsam arbeiten.

Wenn ich so in unserem Wortschatz grabe, entdecke ich viele sprachliche Redewendungen, die die klare und direkte Sprache der Steirer ausmacht. Zusätzlich muss man sagen, oftmals werden Aussprüche sehr trocken gemeint und nicht so wortwörtlich. Das macht es sicher nicht immer leicht den wahren Sinn hinter den Worten zu verstehen. Teilweise ist es auch verbaler Ausdruck von Verletzungen.

So vieles gibt es da noch weiter zu berichten. Aber das in einem weiteren Blog „Steirisch für Anfänger“.

Habt Ihr unsere ersten zwei Beiträge zu „Steirisch für Anfänger“ schon gelesen? Wenn nicht, schaut doch vorbei:

3 Idee über “Steirische Wörter – unsere Lieblinge Teil 3

  1. Daoldehummelfritz sagt:

    Da baumoasta,da pforra und da bäck,stengan olle im sölbn eck,da oani baut häuser und kirchn und brucken ,da aundere tuat die leit die seel gleichrucken,da bäck mochts brot fürn baumoaste,für d’leit und fürn geistlichen herrn, wer wohl da wichtigste is werdns womöglich jetzt frogn ,jo des kaun ma momentan wirkli nit sogn !!(hummelfritz)

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