29.06.2020 | Allgemein, Vulcano Schweine

Artgerechte Tierhaltung – Haltungsformen machen den Unterschied

Artgerechte Tierhaltung

Artgerechte Tierhaltung bedeutet für uns Lebensqualität für die Schweine. Ein respektvoller Umgang mit unseren Tieren. Im Allgemeinen steht in der artgerechten Tierhaltung die Gesundheit und das körperliche Wohlbefinden der Schweine im Vordergrund. Zusätzlich gehört natürlich auch der psychologische Aspekt mit dazu. Die Schweine sollen sich natürlich verhalten können, sich sulen, wälzen und vergraben.

Gesetzlich gesehen gibt es für artgerechte Tierhaltung keine Definition. Allerdings werden die Aspekte der Umwelt, als auch der Lebensraum der Tiere, das Futterangebot und die Gruppengröße. Schweine sind sehr neugierige Tiere und sie sind sehr dankbar, wenn sie unterschiedliche Möglichkeiten der Beschäftigung und auch der Bereiche zur Verfügung gestellt bekommen. Sie haben ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie sorgen füreinander und spielen und kuscheln auch gerne in Gruppen. Es gibt eine Chef und dieser darf zuerst zum Futter. In den großen Gruppen ist es oft so, dass die Stärkeren das Vortrittsrecht zum Futter in Anspruch nehmen. Aber welche Haltungsformen gibt es eigentlich?

Unterschiedliche Haltungsformen von Schweinen

„Wir haben schon viele unterschiedliche Systeme getestet. Ausgehend von der ursprünglich Kleingruppenhaltung bis hin zu dem jetzigen System mit Auslauf und Großraumbuchten, haben wir über die Jahre sehr viel gelernt und durch dieses Lernen, konnten wir die Systeme immer weiter verbessern. “ Franz Habel

Wir arbeiten seit über 30 Jahren mit den Schweinen und lieben unsere Arbeit. Warum? Diese Tiere sind besonders. Daher achten wir sehr auf die artgerechte Tierhaltung. Wie ist es aber gesetzlich geregelt? Die Mindestanforderungen der Schweinehaltung werden vom Gesetz geregelt und sehen prinzipiell eine Gruppenhaltung der Schweine vor. Nur in der Schwangerschaft dürfen Schweine in die Einzelhaltung, um die kleinen Ferkel zu gebären. Zusätzlich zur Gruppengröße gibt es auch noch den Unterschied zwischen einem Kaltstall und einem Warmstall. Der Kaltstall ist ein teilweise offenes Gebäude in dem nur der Schlafbereich wärme isoliert sein muss. In einem Warmstall hingegen sind die Ställe konstant beheizt. Der Gesetzgeber gibt auch die Art der Haltungssysteme vor wie zum Beispiel die Art der Boden Elemente – hier muss Hygiene und auch Sicherheit der Tiere gewährleistet sein können. Schweine sind überaus neugierige und umtriebige Tiere, daher sollte man auch genügend Elemente zur Beschäftigung einbauen.

Sobald du dich mit ihnen mehr beschäftigst, geben sie sehr viel retour. Mit Vulcano haben wir es geschafft, es uns zu leisten, den Tieren bessere Haltungsbedingungen zur Verfügung zu stellen. Und sie freuen sich dabei und nehmen es sehr gut an. Manchmal, wenn ich durch den Stall gehe, kommt es mir vor, als wenn sie mir erzählen, was ihnen heute alles passiert ist. Dies zu erleben erfüllt mich mit sehr viel Dankbarkeit.“

Intelligent und sozial – das Wesen bei der Haltung berücksichtigen

Um dem Lebenwesen Schwein gut zu entsprechen, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, ihnen verschiedene Bereiche, Platz und Beschäftigungsmaterial zur Verfügung zu stellen. Schweine sind neugierig. Sie haben einen Bewegungsdrang, vor allem wenn sie jung sind.

Soziale Kompetenz

Opa mit seinem Schwein
Opa Habel kuschelt mit seinen Schweinen

Schweine haben eine klare Ordnung im Stall, wer der Chef ist und wer als erster zum Trog darf. Anders als in der freien Wildbahn ist der Chef im Stall immer der Älteste. Wahrscheinlich, weil er die meiste Erfahrung hat und es im Stall nicht wichtig ist, der Stärkste zu sein. Hier haben wir in den letzten 20 Jahren beobachtet, dass auch wenn der Chef (das älteste Schwein) noch so schwach ist, er das sagen hat. Auch zeigen die älteren den jungen Schweinen, was zu tun ist, und wie sich sich verhalten sollen. Sind sie zu aufgeweckt und neugierig, werden sie oft von den großen Schweinen zurecht gewiesen. Was allerdings so manches junge Schwein nicht abschreckt, weiter sehr neugierig und aufgeweckt zu sein.

Schlafrythmus

Wirklich spannend zu beobachten. Schweine sind definitiv keine Frühaufsteher. So richtig in Bewegung kommen sie erst ab 10 Uhr morgens. Dann wird es im Stall laut und sehr viele sind unterwegs. Einige von den Schweinen  merkt man an, wenn sie älter werden, dass sie sich noch weniger bewegen und länger ruhen. Somit findet man doch einige Ähnlichkeiten zum Menschen – oder? Sind nicht wir in jungen Jahren auch viel agiler und mehr unterwegs als im Alter? Wir arbeiten jetzt schon seit vielen Jahren mit Schweinen und doch lernen wir immer wieder etwas Neues dazu. Es bereitet uns Freude und bestätigt uns, dass wir mit der Idee, aus dem Schweinefleisch etwas besonderes und hochwertiges zu machen und die Wertigkeiten bis zu den Schweinen und deren Haltung retour zu geben – richtig liegen.

„Begonnen hat es mit drei Schweinen, die wir in einem überdachten Auslaufbereich laufen hatten. Es waren unsere ersten Hausschweine. Die beiden ersten hießen Leo und Dagi. Leo lebte über 10 Jahre bei uns und wir konnten zu ihm eine besondere Beziehung aufbauen. Was das heißt? Na ja, er hörte auf Namen – man konnte mit ihm reden und er verstand.

Sie lieben Platz und Beschäftigungsmaterial und vor allem auch die Beziehung zum Menschen. Wenn einer von uns in den Stall kam, war er immer sofort bei uns. Manchmal schien es, als ob er uns was erzählen wollte. Besonders gerne mögen Schweine auch Speisen, die außerhalb ihres täglichen Essensplanes stehen. Wie altes Brot, Bier aus der Flasche, Gemüse und Süßes! Ja manche Schweine können besonders gut aus der Flasche oder Glas trinken. „

Gruppenhaltung: Mit neuen Techniken zu mehr Wohlbefinden

Die Gruppenhaltung ist für Ferkel als auch Mastschweine vorgeschrieben. Die kann natürlich sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Allein die Größe macht sehr viel aus. Gruppenhaltungen ermöglichen, wenn gewünscht, und durchgeführt, eine tolle Aufteilung von Wohnbereichen. Man kann sich das wie bei sich zuhause vorstellen; ein Wohnbereich mit Spielelementen, ein Schlafbereich zum Runterkommen, einen Fressbereich und ein Kotbereich, einfach gesagt, die Toilette.

Kleinraumbuchten

Hier werden die Schweine in kleinen Gruppen – sprich zwischen 8 und 20 Stück in einem Abteil gehalten werden. Pro Tier sind je nach Gewicht zwischen 0,3 bei einem Gewicht von 30 kg und bei Tieren mit 110 kg 0,7 m² gesetzlich geregelt. Sprich 10 ausgewachsene Schweine haben eine Fläche von 7 m² zur Verfügung. Hier haben sie nicht wirklich viel Bewegungsfreiraum. Für den Landwirt ist dieses System sehr übersichtlich, da bei den Kontrollgängen jedes Tier leicht beobachtbar ist und dadurch der gesundheitliche Zustand sehr gut überwachbar ist. Außerdem muss man nicht direkt zu den Tieren in den Stall, sondern kann dies über einen Gang aus kontrollieren.

Grossbuchten

Immer mehr Betriebe, die sich mit den Bedürfnissen der Tiere intensiver auseinandersetzen, steigen auf dieses System um. Es ist in der Überwachung schwieriger, allerdings haben die Schweine mehr Möglichkeiten sich zu bewegen. Hier kann man die Stallungen auch in unterschiedliche Bereiche einteilen.

Mittlerweile sind wir der Überzeugung, dass mit den großen Gruppen, die wir in unseren Stallungen haben, wir die Lebensqualität der Tiere sichtlich verbessert haben. Dadurch haben sie Entscheidungsmöglichkeiten und durch ein neu eingebautes System, dass den Liegebereich und den Fressbereich trennen, sind sie auch gefordert zu lernen. Da es bei den Schweinen unterschiedliche Charaktere gibt – Schweine mit großem Durchsetzungsvermögen und Schweine, die sich leicht verdrängen lassen, haben wir ein System installiert, dass den weniger durchsetzungskräftigen Schweinen ermöglicht, in einem geschützten Bereich ohne verdrängt zu werden, zu fressen. Und das funktioniert sichtlich gut. Wir haben durch tägliche Wiegungen eine Übersicht, wieviel sie wachsen und wie oft die Schweine in den Futterbereich gehen.

„Mittlerweile sind wir der Überzeugung, dass mit den großen Gruppen, die wir in unseren Stallungen haben, wir die Lebensqualität der Tiere sichtlich verbessert haben. „

Biologische Tierhaltung versus Artgerechte Tierhaltung

In der biologischen Tierhaltung gilt mehr Platz für die Tiere als in der konventionellen Tierhaltung: bei 110 kg gilt hier 2,3 m². Diese wird getrennt unter Stallfläche und Außenfläche. Weiters müssen für die Schlafbereiche Einstreuflächen zur Verfügung gestellt werden. Der große Unterschied zwischen biologischer Tierhaltung und artgerechter Tierhaltung ist, dass biologische Haltung gesetzlich geregelt ist, artgerechte Tierhaltung nicht. Weiters dürfen in der biologischen Tierhaltung ausschließlich biologische Futtermittel verwendet werden. In der artgerechten Tierhaltung gibt es keine Regelung. Es gibt hier eine große Anzahl an verschiedenen Programmen, die teilweise auch von Handelsketten sehr unterschiedlich geregelt sind.

Wertschätzung ist mehr als ein Produkt

Tierhaltung bei Vulcano

Was wir damit meinen – wir geben den Schweinen seit vielen Jahren den Raum, den sie brauchen, um gut zu leben. Eine Tierhaltung mit viel Platz, Auslauf ins Freie, Spielmaterialien und Stroh zum Wühlen und Fressen. Und die Schweine geben uns noch mehr retour. Sie haben Spaß  – Laufen herum, wälzen sich und grunzen uns zufrieden an, wenn wir durch den Stall gehen um nachzusehen, wie es ihnen geht. Und wir haben dabei vor allem eines gewonnen – viel mehr Spaß an der Arbeit mit den Schweinen. Bevor wir Vulcano gegründet haben, waren wir Bauern mit konventioneller Haltung. Es hat uns nicht gefallen und war nicht unsere Philosophie, dass für das einzelne Tier in den 10er Buchten nicht mehr Platz vorhanden war, wie es vom Staat vorgegeben wurde. Natürlich hätten wir den Tieren auch mehr Platz geben können, jedoch hätte uns niemand „mehr“ dafür bezahlt und auch wir mussten unser Überleben sichern. Dies war auch der Grund, warum wir Vulcano gründeten. Jetzt gehen wir gerne in den Stall – sehen den Tieren in den großen Buchten zu, wie sie die unterschiedlichen Bereiche nutzen. Den Liegebereich, den Fressbereich, den Auslauf und Bewegungsbereich. Eigentlich haben wir uns dadurch sehr viel Gutes geschenkt. Spaß an der täglichen Arbeit und wunderbares Fleisch. Wir sind uns sicher, dass wir es geschafft haben, durch die Veränderungen unseren landwirtschaftlichen Betrieben besonders Fleisch von zufriedenen Tieren zu mästen. In der täglichen Arbeit merken wir, wie zufrieden und lustig so manches Schwein vor sich hin grunzt.

Ein Besuch in unserem Betrieb – die Türen stehen offen

Eines ist definitiv sicher, durch das andere Arbeiten mit den Schweinen haben wir sehr viel Spaß in den letzten Jahren bei der Arbeit mit ihnen gehabt. Auch passiert es oft, dass Besucher oder Mitarbeiter bei uns in den Stall gehen und den Tieren zuschauen, wenn sie Zeit zum Abschalten und Herunterkommen brauchen. Das entspannt enorm. Zuzusehen, wie sie spielen, fressen, grunzen, laufen, schlafen und dösen hat eine unglaublich entspannende Wirkung auf uns Menschen. Außerdem macht es auch Spaß, wenn man sieht, welche Freude sie am einfachen Dasein im Stall haben. Wirklich sehenswert. Hier gibt es ganzjährig die Möglichkeit, sich hier vor Ort in der Schinkenerlebniswelt eine kurze Auszeit vom stressigen Alltag zu nehmen. Wir freuen uns, auf ein Treffen hier vor Ort!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.